Interprofessionelles Fallbeispiel: Unerklärter Bluterguss bei Demenz

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Verfasst von
Peter "Doc" Moritz
Veröffentlicht am
14.7.2025
Updated am
14.7.2025
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Interprofessionelles Fallbeispiel: Bluterguss bei Demenz

Aktuelle SituationWohnhaus der Patientin, Samstagnachmittag
Die 90-jährige Anna K. lebt in ihrem eigenen Haus und wird dort rund um die Uhrvon einer ausländischen 24-Stunden-Kraft betreut. Am Vormittag meldet sich eineder Töchter telefonisch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst. Sie möchte einenärztlichen Hausbesuch, da eine Veränderung im körperlichen Zustand ihrer Mutteraufgefallen ist, die sie nicht einordnen kann. Die Tochter berichtet, dass ihreMutter in den letzten Tagen zunehmend schwächer geworden sei. Bereits am Vortaghabe sie beim Gehen mit dem Rollator „ein Problem gehabt“, sie seiheruntergerutscht und habe sich am Rollator ein Bein angeschlagen, sei abernicht gestürzt. Heute habe die Betreuungskraft beim Waschen ein größeresHämatom am rechten Unterschenkel entdeckt. Beim Besuch am selben Tag fällt derTochter auf, dass dieses Hämatom an einem anderen Bein lokalisiert ist als dieStelle, die beim gestrigen Vorfall betroffen war. Die demente Mutter zeigt sichwenig auskunftsfähig. Irgendwie kommt ihr die Sache komisch vor. Sie denkt anein Problem mit den blutverdünnenden Medikamenten.

BeschwerdenHauptbeschwerden sind eine zunehmende allgemeine Schwäche in den letzten Tagenund das neu aufgetretene Hämatom. Der Mutter selbst fällt ist dement und macht keineklare Aussage gegenüber der Tochter. Die Tochter ist beunruhigt über diefehlende Plausibilität der Verletzung am Bein, insbesondere weil es sich nichtum das Bein handelt, das gestern beim „Zusammensacken“ betroffen war. Auch dieBetreuungskraft kann keine konkrete Erklärung für den Bluterguss geben. DieTochter fragt sich, ob etwas übersehen wurde und ob ärztlich oder pflegerischgehandelt werden muss.

BekannteVorerkrankungen

·        Demenz vom Alzheimer-Typ, seit mehreren Jahrendiagnostiziert

·        Arterielle Hypertonie

·        Zustand nach Schlaganfall vor 8 Jahren, keineRestparese

·        Altersbedingte Osteoporose

·        Arthrose der Kniegelenke beidseits

Bekannte Medikamente

·        Dauermedikation

o   Amlodipin5 mg 1–0–0

o   ASS100 mg 1–0–0

o   Donepezil10 mg 1–0–0

·        Bedarfsmedikation

o   Novaminsulfon500 mg bei Schmerzen

o   LaxoberalTropfen bei Bedarf

o  Tavor 0,5 mg bei nächtlicher Unruhe (seltengegeben)

 

Hintergrund und sozialesUmfeld
Anna K. lebt allein im eigenen Haus in einem kleinen Ort, die vier erwachsenenTöchter haben gemeinsam mit dem Ehemann sich dafür entschieden, die Mutter nichtin eine Pflegeeinrichtung zu geben. Seit zwei Jahren wird sie durchgängig voneiner polnischen Betreuungskraft im Modell der sogenannten „24-Stunden-Pflege“begleitet. Die Familie teilt sich die Organisation und Kontrolle: Eine Tochterist regelmäßig vor Ort, zwei wohnen in erreichbarer Nähe, eine lebt weiterentfernt. Der Ehemann leidet seit einem Jahr ebenfalls an einer zunehmendeDemenz.

Die Beziehung zwischen den Schwestern ist ausgesprochenharmonisch und von gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamer Versorgung derEltern gekennzeichnet.
Anna K. und ihr Ehemann verlassen das Haus nicht mehr. Ein Treppenliftermöglicht die Nutzung des gemeinsamen Schlafzimmers im ersten Stock.

Die Betreuungskraft übernimmt die tagtäglichen Aufgaben. Einambulanter Pflegedienst richtet Medikamente und kommt zweimal die Woche zumDuschen und zur Unterstützung bei der Körperpflege.

AktuelleSituation beim Betreten des Hauses:

Beim Eintreffen ist die 2te Tochter,welche in direkter Nachbarschaft wohnt, gemeinsam mit der Betreuungskraft unddem Ehemann, der im Wohnzimmer sitzt und die Situation nicht wirklichmitzubekommen scheint, anwesend.

Die 90 jährige Dame liegt mitangestrengter Atmung in Linksseitenlage auf dem Bett und macht den Eindruck,dass sie schläft. Am rechten Unterschenkel zeichnet sich der benannteBluterguss etwa handtellergroß ab. Auf direkte Rückfrage, ob die jetztanwesende 2te Tochter heute schon mit ihr gesprochen hat, versucht diese ihre Mutterzu wecken. Als das nicht gelingt meint sie: „Ich weiß auch nicht.“

Beschwerden/ Symptome:
nicht erhoben

Befund:
Die persönlicheKontrolle der „schlafenden Patientin“ zeigt, dass die 90 jährige Dame nichtansprechbar ist.
Die Atmung ist frei, Haut außer dem Hämatom unauffällig.
Puls: 92/min, rhythmisch, RR: 90/60 mmHg

Interdisziplinäres Case-based Lernen

Medizinische Fallbeispiele

Beim Lernen mit Fallbeispielen (case-based learning "CBL") handelt es sich um ausgewählte Fallbeispiele aus der Praxis, um dein theoretisches Wissen aus der medizinischen Lehre zu vertiefen und den Transfer in die Praxis zu üben. Interprofessionelle Überlegungen fördern das Verständnis für komplexe Patientenversorgung und Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit und patientenzentriertes Handeln. Gleichzeitig kannst Du durch die eigenständige Erarbeitung von Lösungsansätzen dein Wissen überprüfen und vertiefen.

Was bekomme ich hier?

  • Realitätsnahe Szenarien: Detaillierte Beschreibungen der Situation, Hauptbeschwerden, Hintergrund, Vorerkrankungen, Medikamente und soziales Umfeld.
  • Online-Fallbesprechung: Einige Fallbeispiele werden im Livestream besprochen. Vor dem Livestream findest du nur die Aufgaben-beschreibung und den Arbeitsauftrag. Die Besprechung wird anschließend auf YouTube verfügbar sein.

Wie nutze ich das?

  • Eigenständiges Durcharbeiten: Der größte Lernerfolg entsteht durch das eigenständige Bearbeiten der Fallbeispiele nach Arbeitsauftrag.
  • Grundlage der Zusammenarbeit: Deine Lösungen und Ideen sind ideal für eine Austauschrunde in eurer Lerngruppe.
  • Vergleich mit Lösungsvorschlag: Du kannst einen beispielhaften Lösungsvorschlag ansehen, den wir erstellt haben. Es gibt keine „richtigen“ Lösungen, da sie sich im realen Kontext ergeben.

Arbeitsschritte befolgen:

  • Erfassung der Situation, Symptome, anamnestischer Informationen und des Umfeldes.
  • Entwickle Ideen und mögliche Diagnosen. Die Bewertung der Alternativen führt zu einer Arbeitshypothese.
  • Erarbeite deine berufsspezifischen Maßnahmen zur Situation.
  • Entscheide, ob es sich um einen Notfall handelt, der sofortiges Eingreifen erfordert. Falls ja, welche Maßnahmen du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchführst.

Was muss ich investieren?

  • Zeit: Plane bis zu 20 Minuten für die umfassenderen Fallstudien ein. Außerdem bist du herzlich zur Teilnahme an unseren Online-Besprechungen eingeladen.
  • Engagement: Kosten entstehen dir keine – wir bieten dir alle Materialien für die persönliche Nutzung kostenfrei an. Für Schulungsmaterialien  kontaktiere uns.

Deine Aufgabe:
Du bist nichtärztliche Fachkraftim Gesundheitswesen und begleitest einen Menschen in einer akuten oderkomplexen Situation. Erarbeite einen umfassenden und personalisiertenBehandlungsplan.

Dein Plan soll folgende Punkte beantworten:

1.     Welche Symptome zeigt der Mensch?
(Was ist beobachtbar? Was wird berichtet?)

2.     Was könnten Ursachen für die Situation sein?
(Welche Vorerkrankungen, Auslöser oder Zusammenhänge sind denkbar?)

3.     Liegt eine akute Gefährdung vor, die sofortigesHandeln erfordert?
(Wenn ja, wie erkennst du sie?)

4.     Was kannst du aus deiner Profession konkret beitragen?
(Welche Maßnahmen leitest du ein – aus deinem Fachgebiet heraus?)

5.     Was braucht es zusätzlich an ärztlicher Begleitungoder Medikation?
(Welche weiterführenden Schritte sind sinnvoll oder notwendig?)

6.     Wenn du den Notarzt verständigst: Was sind deineMaßnahmen bis zum Eintreffen?
(Wie sicherst du die Situation?)

Deine Herausforderung:

Sende deinen ausgearbeiteten Behandlungsplan als Antwort auf das Fallbeispielvor der Live Diskussion an:
📧 fragen@docmoritz.academy

➡️ Jede E-Mail wird individuell beantwortet.
➡️ Du bekommstgezieltes Feedback.

Bearbeite den Fall und sei Live dabei!

Bevor du dir den Lösungsansatz für dieses Fallbeispiel ansiehst, raten wir dir deine eigenen Ideen zuerst schriftlich festzuhalten,

Nimm dir jetzt 15-20 Minuten Zeit den Fall eigenständig zu lösen und mit deiner Lerngruppe zu diskutieren.

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Ein Routinebesuch, scheinbar harmlos: eine alte Dame mit einem Bluterguss am Bein, vielleicht Folge eines kleinen Missgeschicks am Rollator. Die Familie ist verunsichert, ob Medikamente oder das Alter eine Rolle spielen. Doch beim Betreten des Zimmers zeigt sich eine völlig andere, dramatische Lage: Die Patientin liegt in Seitenlage, wirkt wie schlafend – und ist nicht mehr ansprechbar. In wenigen Minuten verwandelt sich eine unklare Alltagssituation in einen hochkritischen medizinischen Moment.

Welche Symptome & Befunde zeigt der Mensch?

90-jährige Patientin, liegt im Bett in Seitenlage. Auch für die Tochter, die eben erst eingetroffen ist überraschend. Mutter reagiert nicht auf Ansprache!

  • Bei Prüfung der Reflexe
    • Nicht ansprechbar,
    • weder verbal
    • noch auf Schmerzreiz → Bewusstlosigkeit (Schutzreflexe unsicher)
  • Atmung zunächst frei, später präfinal verändert (unregelmäßig, schwächer)
  • Bluterguss am rechten Unterschenkel, keine Hautschäden, sonst keine Prellmarken, kein Hinweis auf knöcherne Verletzungen
  • Vitalparameter:
    • Puls 92/min
    • RR 90/60 mmHg (grenzwertig niedrig)

Fremdanamnese:

Vorher dement mit nur noch eingeschränkter Reaktion, aber wach und Kommunikation möglich,

Allgemein zunehmende Schwäche in den letzten Tagen, deutlich reduzierte Mobilität

Was könnten Ursachen für die Situation sein? (Arbeitshypothese)

  • Akute neurologische Ereignisse: Schlaganfall,Hirnblutung
  • Kardiovaskuläre Ursachen: Herzrhythmusstörung,Herzinsuffizienz, akutes Kreislaufversagen
  • Medikamentöse oder internistische Ursachen:Hypoglykämie, Hypotonie, Nebenwirkung von Antihypertensiva oder ASS
  • Traumatische Ursachen unwahrscheinlich (keinSturz, Hämatom nicht plausibel)
  • Präfinale Situation im Rahmen einerMultimorbidität und fortgeschrittenen Demenz

Liegt eine akute Gefährdung vor, die sofortiges Handeln erfordert?

Ja – es liegt eine potenziell lebensbedrohliche Bewusstlosigkeit.

  • Bewusstlosigkeit ist ein vital bedrohliches Symptom.
  • Gefahr von Atemwegsverlegung und Aspiration → Seitenlage ist korrekt.
  • Unklare Ursache erfordert differentialdiagnostische Abklärung.

Gleichzeitig muss der Patientenwille berücksichtigt werden (kein Wunschnach Reanimation/Klinikaufnahme).

Akute Situation kann im Sinne einer Sterbephase verstanden werden → hier Übergang in palliative Begleitung statt Maximaltherapie.

Was kann ich aus meiner Profession (meinem Beruf) beitragen?

A. Aus Sicht der Physiotherapie (PT):

  • Im Akutfall keine aktive Intervention.
  • Hinzuziehen einer Ärztin / eines Arztes erforderlich
  • Unterstützung durch ruhige Präsenz, Beobachtung von Atmung und Lagerung.
  • Postural: Sicherung der stabilen Seitenlage, ggf. Lagerung zur Atemerleichterung.
  • Langfristig (palliativ): Atemunterstützende Lagerung, Mobilitätserhalt nur im stabileren Stadium.

B. Aus Sicht der Ergotherapie (ET):

  • Keine Intervention im akuten Notfall.
  • Hinzuziehen einer Ärztin / eines Arztes erforderlich
  • Unterstützung im Umfeld: Anpassung von Hilfsmitteln, Kommunikation mit Angehörigen zur Tagesstruktur.
  • In palliativer Situation: Angehörigen entlastende Maßnahmen (z. B. Umgang mit Pflegeumgebung).

C. Aus Sicht der Pflege:

  • Sofortige Einschätzung und Dokumentation der Bewusstlosigkeit.
  • Hinzuziehen einer Ärztin / eines Arztes erforderlich
  • Vitalzeichenkontrolle, kontinuierliche Beobachtung von Atmung und Kreislauf.
  • Sicherstellung der Seitenlagerung, Freihalten der Atemwege.
  • Vorbereitung auf möglichen Rettungsdiensteinsatz.
  • Begleitung und emotionale Unterstützung der Angehörigen (Tochter, Ehemann, Betreuungskraft).
  • Dokumentation der Dauermedikation (ASS, Amlodipin, Donepezil etc.).

D. Aus Sicht der Heilpraktiker:in (sektoral/HP allgemein):

  • Erkennen der lebensbedrohlichen Situation und Grenzen der eigenen Kompetenz.
  • Einleiten der Rettungskette, sofern kein Patientenwille dagegenspricht.
  • Hinzuziehen einer Ärztin / eines Arztes erforderlich.
  • Unterstützung der Angehörigen bei Entscheidungsfindung („möchte die Patientin noch Klinikbehandlung?“).
  • In palliativer Orientierung: begleitende Maßnahmen zur Linderung (z. B. Atemwahrnehmung, Ruhe, Nähe).

Notwendige oder zu erwartende ärztliche Begleitung

  • Ärztliche Abklärung (Hausärztin/Notarzt) der Bewusstlosigkeit und Ausschlussbehandelbarer Ursachen.
  • Diskussion über Therapieziel: Akutmedizin vs. Palliativversorgung.
  • Bei mutmaßlichem Patientenwunsch „keine Klinik, keine Reanimation“: palliativeVersorgung zu Hause.
  • KLARE ENTSCHEIDUNG in Absprachemit möglichst vielen Beteiligten (zeitkritisch!)
  • Ggf.ärztliche Verordnung symptomorientierter Medikation (z. B. Morphin, Midazolambei Atemnot/Unruhe).
  • Dokumentationim Sinne einer Patientenverfügung/Behandlungsbegrenzung.
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