Evidenzbasierte Medizin: Ein Schlagwort oder die Zukunft der Medizin?

Lesedauer 15 Minuten

Evidenzbasierte Medizin (EBM) ist für viele ein Schlagwort. Viele meiner Generation (60+) sehen darin eine Bedrohung für die menschliche Empathie im Umgang mit Patienten. Die wissenschaftliche Evidenz wird zur neuen Bibel der Leitlinien, und die Universitäten sind der Ort der Weissagung. Was ist dran an diesem Hype?

In diesem Artikel untersuchen wir nicht nur die historische Entwicklung der evidenzbasierten Medizin, sondern legen besonderen Fokus auf ihre praktische Anwendung im klinischen Alltag. Wie beeinflussen die Prinzipien der EBM tatsächlich die Entscheidungsfindung und Patientenbetreuung? Diese Frage steht im Zentrum unserer Betrachtung. (Für weitereführende Gedanken sieh auch Teil 2 zum Thema Evidenz: Evidenzbasierte Medizin – Ein Pfeiler der Qualität im Gesundheitswesen

Historische Entwicklung der Evidenzbasierten Medizin

Die medizinische Entscheidungsfindung erfordert seit jeher einen strukturierten Prozess. Bereits in der Antike legten Hippokrates und seine Schüler Wert auf Beobachtung und Erfahrung in der Medizin. Im Mittelalter setzten arabische Ärzte wie Avicenna diese Entwicklung fort und praktizierten eine auf Beobachtung basierende Medizin. Im frühen 19. Jahrhundert führte der französische Arzt Pierre Charles Alexandre Louis die numerische Methode ein, bei der er systematisch Patientendaten sammelte und analysierte, um die Wirksamkeit von Behandlungen zu bewerten. Mitte des 19. Jahrhunderts bewies Ignaz Semmelweis durch systematische Beobachtung und Datensammlung, dass Händewaschen die Sterblichkeitsrate bei gebärenden Frauen drastisch senkte.

Die Begrifflichkeit und das heutige Verständnis der evidenzbasierten Medizin begannen in den 1970er Jahren. Die Anzahl der Publikationen erreichte ein Ausmaß, das die Verwendung im Alltag unmöglich machte. David M. Eddy, MD, PhD, erkannte, dass medizinische Entscheidungsfindung nicht auf einem soliden Fundament aus Evidenz oder formaler Analyse aufgebaut war, sondern auf “Wackelpudding” stand.

„Ich erkannte dann, dass medizinische Entscheidungsfindung nicht auf einem soliden Fundament aus Evidenz oder formaler Analyse aufgebaut war, sondern auf Wackelpudding stand.“

“I then realized that medical decision making was not built on a bedrock of evidence or formal analysis, but was standing on Jell-O”

Eddy, D. M. (2011)

Mit Beginn der 70er Jahre begann ein exponentielles Wachstum der medizinischen Publikationen, was bis zum Jahr 1990 zur Verdoppelung der jährlichen Publikationen führte. Die Zahl der Randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) nahm drastisch zu. Ohne Auswertung und Bewertung der Relevanz konnten die Studien jedoch nicht effektiv genutzt werden. Die Zunahme der systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen zeigt den wissenschaftlichen Ansatz, diese Informationen zu systematisieren und für Entscheidungen zugänglich zu machen.

Ein Wendepunkt war in den 1960er Jahren, als die Methode, einige Teilnehmer zufällig Vergleichsgruppen zuzuweisen, zum international akzeptierten Standard für Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln und anderen Behandlungen wurde. Kurz darauf wurde die Praxis etabliert, diese Studien den Gesundheitsbehörden vorzulegen, um eine offizielle Zulassung für Medikamente zu erhalten. 1

Wichtige Figuren und ihre Beiträge

David M. Eddy: In den 1970er Jahren begann Eddy, die Grundlagen der medizinischen Entscheidungsfindung kritisch zu hinterfragen. Seine Arbeit hob das Fehlen solider Beweise für viele weit verbreitete medizinische Behandlungen und diagnostische Tests hervor. 2

David Sackett: Gleichzeitig begann der kanadische Arzt David Sackett mit seinen Kollegen an der McMaster University in Hamilton, Ontario, die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin zu entwickeln und zu lehren. Sackett und seine Kollegen betonten die Wichtigkeit von RCTs und systematischen Reviews als Grundlage klinischer Entscheidungen.

Gordon Guyatt: Der Begriff “evidenzbasierte Medizin” wurde 1990 von Gordon Guyatt, einem Kollegen von David Sackett, geprägt. Guyatt und sein Team an der McMaster University förderten die Integration der besten verfügbaren wissenschaftlichen Beweise mit klinischer Expertise und Patientenpräferenzen. 1992 veröffentlichte die Arbeitsgruppe um David Sackett und Gordon Guyatt in der Fachzeitschrift “JAMA” einen einflussreichen Artikel 3, der erstmals die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin darlegte und den Begriff weiter etablierte.

Sie beschrieben erstmals Kernaussagen der evidenzbasierten Medizin:

  1. Definition der evidenzbasierten Medizin (EBM): EBM wird als die gewissenhafte, explizite und vernünftige Nutzung der besten aktuellen Evidenz bei Entscheidungen über die Pflege individueller Patienten definiert. Es betont die Kombination von individueller klinischer Expertise und der besten verfügbaren externen klinischen Evidenz aus systematischer Forschung.
  2. Notwendigkeit einer neuen Herangehensweise: Statt traditionell geprägter medizinischer Praxis mit unsystematischen klinischen Beobachtungen sollen solide wissenschaftliche Beweise Grundlage für Entscheidungen werden.
  3. Integration von Forschung und Praxis: Die Integration von klinischer Expertise mit externen Forschungsergebnissen ist wesentlich. Ärzte müssen in der Lage sein, wissenschaftliche Studien kritisch zu bewerten und die Ergebnisse in ihre klinische Praxis zu integrieren, um die Patientenversorgung zu verbessern.
  4. Veränderungen in der medizinischen Ausbildung: Dies schließt die Schulung im kritischen Lesen der Literatur, das Verstehen von Forschungsergebnissen und deren Anwendung in der klinischen Praxis ein. Die Autoren fordern eine Ausbildung, die zukünftige Ärzte in die Lage versetzt, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen.
  5. Herausforderungen und Implementierung: Die Umsetzung von EBM bringt Herausforderungen mit sich, wie die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit qualitativ hochwertiger Forschung sowie die Notwendigkeit kontinuierlicher Weiterbildung der Ärzte.

Archibald Cochrane: Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte der britische Arzt Archibald Cochrane die Idee, dass medizinische Behandlungen auf soliden wissenschaftlichen Beweisen beruhen sollten. Er unterstützte die bereits entwickelten RCTs, beeinflusste nationale Gesundheitsrichtlinien und war der Begründer der Cochrane Collaboration, einer internationalen Organisation, die systematische Reviews von klinischen Studien durchführt, um die Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen zu unterstützen. 4

Nachdem der historische Kontext und die Evolution der evidenzbasierten Medizin und Beiträge bedeutender Persönlichkeiten wie David Sackett und Gordon Guyatt vorgestellt wurden, wenden wir uns nun den modernen Konzepten der EBM zu, die direkt aus ihren Arbeiten hervorgegangen sind. Dieser Teil des Artikels wird zeigen, wie die von diesen Pionieren entwickelten Ideen in heutige medizinische Richtlinien und Praktiken integriert werden.

Moderne Begrifflichkeit der Evidenz

Um das Verständnis für „Evidenz“ zu schärfen, möchte ich die Begrifflichkeit der Evidenz um die Begriffe des Beweises und des Dogmas ergänzen und abgrenzen.

Evidenz, Beweis und Dogma

Die Begriffe Evidenz, Beweis und Dogma spielen eine zentrale Rolle im Prozess der Wissensgewinnung und -verbreitung. Während Evidenz und Beweise wesentliche Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses sind und zur Erweiterung unseres Wissens beitragen, führen Dogmen zur Verfestigung von Positionen und bieten eine vorübergehende Stabilität. Jedoch können sie den wissenschaftlichen Fortschritt behindern, wenn sie nicht hinterfragt werden. Eine ausgewogene Herangehensweise, die Offenheit für neue Evidenz mit der Anerkennung bewährter Beweise kombiniert und dogmatische Haltungen kritisch hinterfragt, ist daher essenziell. Nur so kann eine dynamische und flexible Wissenskultur entstehen, die in der Lage ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Evidenz: Der Ausgangspunkt und Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen

Hinweise oder Anzeichen, die eine These oder Hypothese stützen können. Eine Evidenz wird zum neuen Ausgangspunkt wissenschaftlicher Untersuchungen. Sie kann vielfältige Formen annehmen, wie klinische Beobachtungen, statistische Daten oder Fallstudien. Evidenz ist oft nicht endgültig, sondern liefert erste Anhaltspunkte, die zu weiteren Forschungen anregen.

Beweis: Die definitive Bestätigung einer Hypothese

Durch systematische kann aus anfänglicher Evidenz ein Beweis entwickelt werden. Beweise sind unwiderlegbare Nachweise, die eine Aussage als wahr oder falsch bestätigen.

Dogma: Festgefügte Überzeugungen und ihre Rolle

Feststehende Überzeugungen oder Doktrinen, die als unangefochtene Wahrheit akzeptiert werden, unabhängig von neuen Beweisen oder Gegenargumenten. Dogmen bieten Stabilität und Orientierung, können jedoch die Aufnahme neuer Erkenntnisse behindern.

Die Spannung zwischen Flexibilität und Starrheit

Evidenz und Beweise fördern eine flexible Wissenskultur, die offen für neue Erkenntnisse ist. Dogmen hingegen stehen für eine starre Wissenskultur, die neuen Informationen und Veränderungen gegenüber resistent ist. Während Evidenz und Beweise die Triebkräfte des wissenschaftlichen Fortschritts und der Innovation sind, bieten Dogmen vorübergehende Stabilität und Orientierung, behindern jedoch den Fortschritt, wenn sie sich neuen Erkenntnissen widersetzen.

Kritisches Denken als Gegengewicht zu Dogmen

Die Arbeit mit Evidenz und Beweisen erfordert und fördert kritisches Denken und Skepsis. Wissenschaftler müssen bestehende Annahmen hinterfragen und neue Beweise objektiv bewerten. Eine Kultur des kritischen Denkens ist essenziell, um sicherzustellen, dass Dogmen nicht den wissenschaftlichen Fortschritt behindern.

Sprachliche Begrifflichkeit von Evidenz

Um die Verwendung des Begriffes der evidenzbasierten Therapie in der Medizin zu konkretisieren, möchte ich in diesem Abschnitt die unterschiedliche sprachliche Verwendung des Begriffes der Evidenz zum Gegenstand machen. Hierbei schafft die in der wissenschaftlichen Welt primär englischsprachige Verwendung zusätzliche Missverständnisse.

Sprachliche und philosophische Betrachtung von Evidenz

Schon im Deutschen ist der Begriff der Evidenz stark abhängig vom Umfeld und der Motivation seiner Benutzung. In der deutschen Alltagssprache wird “Evidenz” oft synonym mit “Offensichtlichkeit” verwendet, was jedoch eine Verengung des ursprünglichen philosophischen Begriffs darstellt. In einem philosophischen Kontext beschreibt “Evidenz” eine klare, unbezweifelbare Einsicht, die keiner weiteren Beweise bedarf. Ein klassisches Beispiel ist Descartes’ “cogito, ergo sum” (Ich denke, also bin ich), das eine evidente Wahrheit darstellt.

Eine Sache kann “Evidenz” haben, auch wenn es keine “Beweise” dafür gibt. Dies bedeutet, dass es Anzeichen oder Hinweise gibt, die die Sache unterstützen, aber diese Hinweise sind nicht stark genug, um als endgültiger Beweis zu gelten. Evidenz beschreibt somit eine innere Sicherheit und Klarheit, die nicht notwendigerweise auf empirischen Nachweisen beruht.

Unterschied zwischen “Evidenz” (deutsch) und “evidence” (englisch)

Der Ausdruck “evidenzbasierte Medizin” ist eine Übersetzung des englischen Begriffs “evidence-based medicine” (EBM). Während “evidence” im Englischen eindeutiger im Sinne empirischer Beweise und Nachweise verwendet wird, ist die Begrifflichkeit der “Evidenz” im Deutschen oft eingeschränkt verstanden als eine unmittelbare, nicht beweisbedürftige Erkenntnis. Dieser Unterschied ist entscheidend für das Verständnis und die Anwendung in den Gesundheitsberufen.

Deutsche Bedeutung von Evidenz:

  • Philosophischer Kontext: Im Deutschen beschreibt “Evidenz” eine klare, unbezweifelbare Einsicht, die keiner weiteren Beweise bedarf. Ein klassisches Beispiel ist Descartes’ “cogito, ergo sum” (Ich denke, also bin ich), das eine evidente Wahrheit darstellt.
  • Alltagssprache: In der deutschen Alltagssprache wird “Evidenz” oft synonym mit “Offensichtlichkeit” verwendet, was jedoch eine Verengung des ursprünglichen philosophischen Begriffs darstellt.

Englische Bedeutung von Evidence:

  • “Evidence” im Englischen bezieht sich auf Beweise, die durch empirische Daten und wissenschaftliche Studien gestützt werden. In der evidenzbasierten Medizin bedeutet dies die systematische Nutzung der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung.

Bedeutung der sprachlichen Präzision

Für das Verständnis von Evidenz in den Gesundheitsberufen ist die sprachlich präzise Verwendung des Begriffs essentiell. Zu schnell blockieren wir die Kommunikation und auch die Wirksamkeit einer strukturierten Methodik zur Entscheidungsfindung durch vorschnelle Deutungshoheit des Begriffs. Für die Entwicklung der medzinischen Qualität ist die unvoreingenommene Diskussion über die Entscheidungsgrundlagen für Therapien ein wesentlicher Qualitätsfakor.

Durch das Bewusstsein für die unterschiedlichen Bedeutungen in den beiden Sprachen kann eine präzisere und effektivere Kommunikation im wissenschaftlichen und klinischen Kontext gewährleistet werden. Die präzise Unterscheidung zwischen “Evidenz” und “evidence” sowie die Abgrenzung von Beweis (engl. “proof”) und Dogma (engl. “dogma”) sind essenziell für die korrekte Anwendung in den Gesundheitsberufen. Eine unscharfe Verwendung dieser Begriffe kann zu Missverständnissen führen und die Qualität der Entscheidungsfindung beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, dass Gesundheitsfachkräfte diese Unterschiede kennen und berücksichtigen.

Festlegung auf die Verwendung in diesem Artikel

In diesem Artikel verwenden wir “Evidenz” im Sinne der Grunddefinition als Hinweise oder Anzeichen, die eine These oder Hypothese stützen können. Dabei ist sie Grundlage für therapeutische Entscheidungen und Ausgangspunkt für neue wissenschaftliche Forschung. Wichtig wird das Erkennen unterschiedlicher Stufen der Evidenz, wie wir im weiteren Verlauf des Artikels aufzeigen. Mit einem soliden Verständnis der theoretischen Grundlagen der evidenzbasierten Medizin ausgestattet, richten wir unseren Blick jetzt auf die tatsächliche Anwendung dieser Prinzipien. Der folgende Abschnitt beleuchtet, wie EBM in klinischen Szenarien funktioniert.

Aspekte von Evidenz

Allgemeine Definition:
Evidenz bezieht sich auf die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zur Unterstützung von Entscheidungen im Gesundheitswesen genutzt werden. Im Kontext der evidenzbasierten Medizin (EBM) bedeutet Evidenz, dass therapeutische und diagnostische Maßnahmen auf systematisch ermittelten, validierten und bewerteten wissenschaftlichen Daten sowie der klinischen Expertise der Gesundheitsfachkräfte basieren. Diese Erkenntnisse stammen aus verschiedenen Quellen wie klinischen Studien, systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen sowie den praktischen Erfahrungen und individuellen Präferenzen der Patienten und Therapeuten.

Bedeutung von evidenzbasierter Medizin (EBM):
Evidenzbasierte Medizin (EBM) ist ein Ansatz, der darauf abzielt, die Qualität der medizinischen Versorgung durch die Anwendung der besten verfügbaren wissenschaftlichen Beweise zu verbessern. EBM verbindet die individuelle klinische Expertise der Gesundheitsfachkräfte mit den besten externen klinischen Beweisen aus systematischer Forschung.

Interne und externe Evidenz

Die Kombination von interner und externer Evidenz ist essenziell, um eine ganzheitliche und effektive Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Beide Formen der Evidenz ergänzen sich und tragen dazu bei, dass medizinische Entscheidungen fundiert, flexibel und patientenorientiert sind.

Interne Evidenz

  • Erfahrungen der Gesundheitsfachkräfte: Die praktische Erfahrung und das Fachwissen der Gesundheitsfachkräfte sind wesentliche Bestandteile der internen Evidenz. Diese Erfahrungen beeinflussen, wie Therapeuten klinische Entscheidungen treffen und auf individuelle Patientensituationen reagieren.
  • Ziele und Präferenzen der Patienten: Die Perspektiven und Präferenzen der Patienten sind ebenso wichtig. Diese umfassen ihre persönlichen Ziele, ihre Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit sowie ihre bevorzugten Maßnahmen und Behandlungen.
  • Daten aus der eigenen Praxis: Konkrete Beobachtungen und Ergebnisse aus der täglichen Arbeit in der Gesundheitsversorgung liefern wertvolle Erkenntnisse, die direkt in die Praxis einfließen können. Beispielsweise können Rückmeldungen von Patienten oder dokumentierte Behandlungsergebnisse genutzt werden, um die Wirksamkeit von Interventionen zu bewerten und zu optimieren.

Externe Evidenz

  • Ergebnisse der Forschung: Wissenschaftliche Studien, insbesondere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), liefern objektive und überprüfbare Daten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen. Diese Studien sind das Rückgrat der evidenzbasierten Medizin.
  • Veröffentlichte wissenschaftliche Literatur: Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen fassen die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen und bieten eine umfassende Bewertung der verfügbaren Beweise. Diese Quellen sind entscheidend, um einen breiten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu erhalten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Nachdem die verschiedenen Typen von Evidenz und ihre Bedeutungen erläutert wurden, ist es entscheidend, zu verstehen, wie diese Informationen in Entscheidungsprozesse integriert werden. Der nächste Abschnitt beleuchtet die praktischen Aspekte der Umsetzung von EBM, insbesondere wie interne und externe Evidenz zusammengeführt werden, um effektive medizin-Nische Praktiken zu gewährleisten.

Diskussion zwischen interner und externer Evidenz

Die Diskussion zwischen interner und externer Evidenz ist zentral für die evidenzbasierte Medizin, da beide Formen der Evidenz unterschiedliche, aber komplementäre Perspektiven und Informationen liefern.

Wert der internen Evidenz: Interne Evidenz bringt wertvolle Einblicke aus der direkten Patientenversorgung und der praktischen Erfahrung der Gesundheitsfachkräfte. Diese Art von Evidenz ist besonders nützlich, wenn es darum geht, individuelle Behandlungspläne zu erstellen, die auf den spezifischen Bedürfnissen und Präferenzen der Patienten basieren. Interne Evidenz ist dynamisch und anpassungsfähig und ermöglicht es den Fachkräften, schnell auf Veränderungen im Gesundheitszustand des Patienten zu reagieren.

Stärke der externen Evidenz: Externe Evidenz bietet eine solide wissenschaftliche Grundlage, die durch methodisch fundierte und oft groß angelegte Studien gestützt wird. Diese Form der Evidenz liefert objektive, überprüfbare und generalisierbare Erkenntnisse, die über individuelle Erfahrungen hinausgehen. Externe Evidenz ist besonders wertvoll, um allgemeingültige Empfehlungen und Leitlinien zu entwickeln, die eine breite Anwendung finden können.

Integration beider Evidenztypen: Die Herausforderung und das Ziel in der evidenzbasierten Medizin bestehen darin, interne und externe Evidenz effektiv zu integrieren. Dies bedeutet, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse (externe Evidenz) mit den praktischen Erfahrungen und den individuellen Bedürfnissen der Patienten (interne Evidenz) zu verbinden. Eine solche Integration fördert eine patientenzentrierte Versorgung, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch individuell angepasst ist.

Hintergründe zur Erlangung externer Evidenzen

Wissenschaftliche und klinische Evidenz

Wissenschaftliche Evidenz bezieht sich auf Daten und Erkenntnisse, die durch methodisch fundierte und systematisch durchgeführte Studien gewonnen werden. Sie wird oft in kontrollierten Umgebungen und anhand definierter Modelle wie randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und Laborstudien gewonnen. Diese Studien sind so gestaltet, dass sie bestimmte Variablen isolieren und kontrollieren, um klare, kausale Beziehungen zu untersuchen. Standardisierte Methoden und strenge Protokolle erleichtern die Beurteilung und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zu klinischen Studien.

Beispiele für Studien zur wissenschaftlichen Evidenz sind:

  • Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs): Diese gelten als Goldstandard in der klinischen Forschung, da sie Verzerrungen minimieren und kausale Zusammenhänge zwischen Interventionen und Ergebnissen aufzeigen.
  • Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen: Diese fassen die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen und bieten eine umfassende Bewertung der gesamten verfügbaren Evidenz zu einem bestimmten Thema.
  • Beobachtungsstudien: Diese umfassen Kohortenstudien, Fall-Kontroll-Studien und Querschnittsstudien, die wertvolle Informationen über die Verbreitung von Krankheiten und die damit verbundenen Risikofaktoren liefern.
  • Epidemiologische Studien: Diese sind entscheidend für das Verständnis von Gesundheitsproblemen auf Bevölkerungsebene. Sie analysieren die Muster, Ursachen und Effekte von Gesundheits- und Krankheitszuständen in spezifischen Populationen und tragen wesentlich zur externen Evidenz bei.

Diese Studien sind mit Herausforderungen verbunden, die sowohl die Planung als auch die Durchführung und Vergleichbarkeit beeinflussen:

  • Rekrutierung von Teilnehmern: Die Teilnahmebereitschaft und die Auswahl der Studienteilnehmer können die Generalisierbarkeit der Ergebnisse beeinflussen.
  • Kosten und Zeitaufwand: Hochwertige Studien sind oft sehr teuer und zeitaufwendig.
  • Übertragbarkeit auf die Praxis: Ergebnisse aus Labor- oder kontrollierten Umgebungen müssen in reale klinische Umgebungen übertragen werden, was nicht immer direkt möglich ist.

Klinische Evidenz

Klinische Evidenz umfasst die praktischen Erfahrungen und Beobachtungen, die in der täglichen medizinischen Praxis gesammelt werden. Sie ergibt sich aus der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse in realen klinischen Situationen und beinhaltet Erfahrungen der Gesundheitsfachkräfte, klinische Studien sowie Patientenberichte und Fallstudien. Diese Evidenz ist komplexer zu erfassen und zu bewerten, da sie auf praktischen Erfahrungen (subjektive Erfahrungen und Fachwissen der Fachkräfte variieren und sind schwer standardisierbar) und realen Bedingungen (unterschiedliche Praxisbedingungen und Behandlungsansätze erschweren die Vergleichbarkeit) basiert, die nicht immer kontrollierbar sind. Zudem erfordern individuelle Vorlieben und Lebensumstände der Patienten eine personalisierte und flexible Herangehensweise.

Herausforderungen bei klinischer Evidenz umfassen:

  • Erfahrungen der Gesundheitsfachkräfte: Diese Erfahrungen tragen zur internen Evidenz bei und helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse auf individuelle Patientensituationen anzupassen.
  • Klinische Studien: Diese werden direkt in der Praxis durchgeführt und bieten wertvolle Einblicke in die Wirksamkeit und Anwendbarkeit von Behandlungen unter Alltagsbedingungen.
  • Patientenberichte und Fallstudien: Diese bieten detaillierte Informationen über individuelle Patientenerfahrungen und können neue Hypothesen für weitergehende Forschung liefern.

Klinische Evidenz zu erfassen und zu bewerten, erfordert eine sorgfältige Berücksichtigung der vielfältigen Variablen und eine ständige Anpassung an neue Erkenntnisse und individuelle Patientensituationen. Zudem müssen Praktiker in der Lage sein, wissenschaftliche Erkenntnisse auf ihre spezifische klinische Praxis anzuwenden und dabei die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen der Patienten zu berücksichtigen.

Sowohl wissenschaftliche als auch klinische Evidenz haben ihre eigenen Herausforderungen und Vorteile. Erst in der umfassenden Bewertung beider Anteile entsteht ein Gesamtbild, welches die berufliche Tätigkeit am Patienten unterstützt.

Klinische Studien und interne Evidenz

Klinische Studien und interne Evidenz ergänzen sich und sind beide essenziell für die evidenzbasierte Praxis. Während klinische Studien strukturierte und kontrollierte Daten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen liefern, hilft die interne Evidenz dabei, diese Ergebnisse individuell auf den klinischen Kontext und die spezifischen Bedürfnisse der Patienten anzupassen.

Die Bewertung der Evidenz

Hohe Evidenz für die Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen gewährleistet, dass medizinische Entscheidungen auf den bestmöglichen verfügbaren Beweisen basieren, was zu einer besseren Patientensicherheit, Effektivität der Behandlungen und optimaler Ressourcennutzung führt. Wissenschaftliche Studien erfordern eine strenge methodische Qualität und Reproduzierbarkeit. Kriterien für hohe Evidenz umfassen:

  • Studiendesign: Randomisierte kontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten bieten in der Regel die höchste Evidenzqualität.
  • Statistische Signifikanz: Ergebnisse müssen statistisch signifikant und klinisch relevant sein.
  • Reproduzierbarkeit: Die Ergebnisse sollten durch unabhängige Studien bestätigt werden können.
  • Peer-Review: Veröffentlichungen in begutachteten Fachzeitschriften gewährleisten, dass die Studien einer gründlichen Prüfung durch andere Experten unterzogen wurden.

Evidenz Medizin und Gesundheitsförderung

Evidenz ist in der Medizin und Gesundheitsförderung wichtig, weil sie die Grundlage für fundierte und effektive Entscheidungen bildet. Durch die Integration von externer und interner Evidenz können Gesundheitsfachkräfte:

  • Unsicherheiten reduzieren: Evidenzbasierte Ansätze helfen, Unsicherheiten in der klinischen Entscheidungsfindung zu minimieren, indem sie auf bewährten wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen basieren.
  • Patientenorientierte Versorgung verbessern: Durch die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Präferenzen der Patienten in Kombination mit wissenschaftlichen Beweisen wird die Patientenversorgung personalisiert und verbessert.
  • Qualität und Sicherheit erhöhen: Evidenzbasierte Maßnahmen gewährleisten, dass Behandlungen und Interventionen nicht nur wirksam, sondern auch sicher sind.
  • Ressourcen effizient nutzen: Durch den Einsatz von Maßnahmen, die auf soliden wissenschaftlichen Beweisen und klinischer Expertise basieren, können die Ressourcen im Gesundheitswesen effizienter genutzt werden, was zu einer besseren Gesundheitsversorgung bei geringeren Kosten führt.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Evidenzbasierte Praxis fördert eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und der Verbesserung, indem neue Erkenntnisse laufend in die klinische Praxis integriert werden.

Durch die systematische Nutzung von Evidenz können Gesundheitsfachkräfte sicherstellen, dass ihre Entscheidungen auf den bestmöglichen Informationen basieren, was zu besseren Gesundheitsresultaten für die Patienten führt.

Umsetzung im Rahmen einer evidenzbasierten Medizin

Interne Evidenz bei der Anpassung klinischer Studien an individuelle Patientenbedürfnisse:

Die Ergebnisse klinischer Studien bieten allgemeine Richtlinien, die jedoch an die spezifischen Bedürfnisse und Präferenzen der einzelnen Patienten angepasst werden müssen. Hier kommt die interne Evidenz ins Spiel. Basierend auf ihrer praktischen Erfahrung können Gesundheitsfachkräfte die Ergebnisse klinischer Studien so anpassen, dass sie für den individuellen Patienten am besten geeignet sind. Die Präferenzen und Ziele der Patienten müssen berücksichtigt werden, um die beste Behandlungsoption zu wählen, auch wenn diese möglicherweise nicht die erste Wahl in den klinischen Studien darstellt.

Bewertung der Umsetzbarkeit:

Klinische Studien liefern wichtige Daten unter kontrollierten Bedingungen, die möglicherweise nicht immer direkt auf die Praxis übertragbar sind. Interne Evidenz hilft dabei, die Umsetzbarkeit dieser Ergebnisse in der täglichen Praxis zu bewerten. Gesundheitsfachkräfte berücksichtigen die spezifischen Gegebenheiten und Ressourcen ihrer Einrichtung, um zu entscheiden, ob und wie eine Behandlung implementiert werden kann.

Kontinuierliche Verbesserung und Anpassung:

Die Integration von interner Evidenz und Ergebnissen klinischer Studien führt zu einer dynamischen und lernenden Praxis. Durch Feedback-Schleifen können Gesundheitsfachkräfte feststellen, wie gut Studienergebnisse in der realen Welt funktionieren, und diese Erkenntnisse nutzen, um Behandlungsstrategien kontinuierlich zu verbessern. Interne Evidenz kann dazu beitragen, klinische Leitlinien zu aktualisieren und zu verfeinern, indem sie zeigt, welche Anpassungen notwendig sind, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen zu optimieren.

Die Verknüpfung von interner Evidenz und klinischen Studien

Die gemeinsame Betrachtung wissenschaftlicher und klinischer Studien in Verbindung mit der internen Evidenz ist entscheidend für eine ganzheitliche und patientenzentrierte Versorgung. Während Studien die wissenschaftliche Grundlage liefern, stellt die interne Evidenz sicher, dass diese Erkenntnisse sinnvoll und effektiv in der täglichen Praxis angewendet werden. Diese Integration fördert eine evidenzbasierte Medizin, die sowohl auf soliden wissenschaftlichen Daten als auch auf praktischer Erfahrung und individuellen Patientenbedürfnissen basiert.

Evidenzstärke in der medizinischen Entscheidungsfindung

Stufen externer Evidenz

Ein zentraler Aspekt der Beurteilung innerhalb der evidenzbasierten Medizin (EBM) ist das Verständnis und die Anwendung unterschiedlicher Evidenzstufen. Diese Stufen bestimmen, wie zuverlässig die Informationen sind, auf denen Ärzte ihre Entscheidungen basieren. Eine klare Hierarchie der externen Evidenz hilft, die Qualität und Relevanz medizinischer Daten objektiv zu bewerten und fördert eine fundierte klinische Praxis.

Hierarchie der Evidenz

  1. Systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen: Diese stehen an der Spitze der Evidenzpyramide. Sie fassen die Ergebnisse mehrerer hochwertiger Studien zusammen und bieten daher eine umfassende Basis für klinische Entscheidungen. Ihre Stärke liegt in der Reduzierung von Verzerrungen durch die breite Datenbasis.
  2. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs): RCTs sind der Goldstandard für das Testen der Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen. Sie minimieren Verzerrungen durch die zufällige Zuordnung von Teilnehmern zu Behandlungs- oder Kontrollgruppen und ermöglichen es, klare Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu etablieren.
  3. Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien: Diese beobachtenden Studien sind weniger zuverlässig als RCTs, da sie anfälliger für Verzerrungen sind. Sie sind jedoch nützlich, um Hypothesen in Bereichen zu testen, in denen RCTs unpraktikabel oder unethisch wären.
  4. Fallberichte und Expertenmeinungen: Diese bilden die unterste Stufe der Evidenzpyramide. Sie sind subjektiv und anfällig für individuelle Verzerrungen, bieten jedoch wertvolle Einsichten in seltene Phänomene oder innovative Behandlungen, die noch nicht umfassend studiert wurden.

Die Bedeutung der Evidenzstärke

Die Stärke der Evidenz beeinflusst direkt, wie Behandlungsrichtlinien entwickelt und klinische Entscheidungen getroffen werden. Hochwertige Evidenz führt zu stärkeren Empfehlungen, was besonders wichtig ist in kritischen und kostenintensiven Behandlungsbereichen. Ärzte müssen die Evidenzstärke beurteilen, um die besten verfügbaren Informationen zu nutzen und das bestmögliche Patientenergebnis zu erzielen.

Herausforderungen bei der Bewertung der Evidenzstärke

Die korrekte Bewertung der Evidenzstärke ist mit Herausforderungen verbunden. Unterschiedliche Studiendesigns, die Qualität der Durchführung und die Relevanz der Daten für spezifische Patientengruppen müssen berücksichtigt werden. Weiterhin kann die schnelllebige Natur der medizinischen Forschung dazu führen, dass einmal als zuverlässig geltende Evidenz schnell überholt ist. Ärzte und medizinische Fachkräfte müssen daher ständig aktuell bleiben und ihre Kenntnisse regelmäßig auffrischen.

Integration von interner Evidenz

Die evidenzbasierte Medizin (EBM) hat traditionell einen Schwerpunkt auf externer Evidenz, die durch standardisierte Methoden und strenge Protokolle eine einfachere Beurteilung und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse ermöglichen. Die Einbeziehung von interner Evidenz ist entscheidend, um die Patientenversorgung zu optimieren. Interne Evidenz, die aus der direkten klinischen Erfahrung und spezifischen Patientendaten besteht, bietet wertvolle Einblicke, die auch in großen streng an Parametern festgelegten Studien nicht erfasst werden.

Die Rolle interner Evidenz

Interne Evidenz ermöglicht es Gesundheitsfachkräften, Behandlungen an die spezifischen Umstände und Bedürfnisse ihrer Patienten anzupassen. Sie ergänzt die externen Daten um praktische Erfahrungen und individuelle Beobachtungen, was insbesondere in Situationen nützlich ist, in denen wenig oder keine umfassenden Studiendaten vorliegen.

Herausforderungen und Chancen

Die Herausforderung besteht darin, eine Balance zwischen der rigorosen, objektiv bewertbaren externen Evidenz und der subjektiven, jedoch patientennahen internen Evidenz zu finden. Die Förderung einer integrativen Evidenznutzung kann dazu beitragen, dass medizinische Entscheidungen sowohl wissenschaftlich fundiert als auch tief in der realen klinischen Praxis verwurzelt sind.

Schlussfolgerung

Evidenzbasierte Medizin (EBM) stellt einen systematischen Ansatz dar, der darauf abzielt, klinische Entscheidungen auf der Basis der aktuell besten verfügbaren Forschungsergebnisse zu treffen. Ursprünglich durch die Arbeiten von Pionieren wie David Sackett und Gordon Guyatt entwickelt, kombiniert EBM die individuelle klinische Erfahrung mit strengen, wissenschaftlich ermittelten Daten aus klinischen Studien.

Die geschichtliche Entwicklung der EBM zeigt, dass Ärzte bereits in der Antike den Wert empirischer Beobachtungen erkannten, was über Jahrhunderte hinweg zu einem immer formalisierteren Verständnis von medizinischer Forschung führte. Im 20. Jahrhundert wurden mit der Einführung von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) Standards gesetzt, die die Zuverlässigkeit und Genauigkeit medizinischer Forschung revolutionierten.

In der Praxis ermöglicht EBM Ärzten, fundierte, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen, die nicht nur auf der besten verfügbaren Forschung basieren, sondern auch individuelle Patientenbedürfnisse und -präferenzen berücksichtigen. Dieser Ansatz fördert eine individuell angepasste Patientenversorgung, die sich sowohl an objektiven Daten als auch an den persönlichen Umständen des Einzelnen orientiert.

Die Umsetzung der EBM in der klinischen Praxis begegnet jedoch auch Herausforderungen, insbesondere der Notwendigkeit, wissenschaftliche Daten flexibel und bedacht zu interpretieren. Die Kombination von externer, wissenschaftlicher Evidenz mit interner, aus der klinischen Erfahrung gewonnenen Evidenz, bildet das Fundament für eine qualitativ hochwertige, patientenzentrierte Versorgung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass evidenzbasierte Medizin mehr als nur ein Schlagwort ist; sie ist eine unabdingbare Grundlage für moderne medizinische Praktiken, die durch eine beständige Entwicklung und Anpassung an neue Forschungsergebnisse und klinische Erkenntnisse charakterisiert ist. Ihre Implementierung erfordert ein kontinuierliches Lernen und Anpassen, um die Patientenversorgung stetig zu verbessern und den medizinischen Fortschritt voranzutreiben.

Fußnoten

  1. The history of evidence-based medicine. (o. J.). Informedhealth.Org. https://www.informedhealth.org/the-history-of-evidence-based-medicine.html
  2. (Eddy, D. M. (2011). The Origins of Evidence-Based Medicine: A Personal Perspective. AMA Journal of Ethics, 13(1), 55–60. https://doi.org/10.1001/virtualmentor.2011.13.1.mhst1-1101)
  3. Guyatt, G. (1992). Evidence-Based Medicine: A New Approach to Teaching the Practice of Medicine. JAMA, 268(17), 2420. https://doi.org/10.1001/jama.1992.03490170092032
  4. Greenhalgh, T. (2004). Effectiveness and Efficiency: Random Reflections on Health Services. BMJ : British Medical Journal, 328(7438), 529.