Aktuelle Situation
Du befindest dich bei einem Hausbesuch im häuslichen Umfeld eines 58-jährigen Patienten, Herrn K. Er leidet seit ca. 3 Stunden unter massiven Oberbauchschmerzen. Er hat bereits eigenständig Schmerzmittel eingenommen, die keine Linderung verschafften. Seine Ehefrau ist anwesend.
Beschwerden / Symptome
Herr K. klagt über starke, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch (8/10). Er berichtet über eine Ausstrahlung in den Rücken. Zusätzlich besteht eine ausgeprägte Übelkeit ohne Erbrechen. Er ist unruhig und findet keine Schonhaltung.
Befund / Vitalwerte
Der Patient ist adipös (BMI > 30), kaltschweißig und schmerzgeplagt.
- Blutdruck: 165/95 mmHg
- Puls: 92/min, regelmäßig
- Temperatur: Nicht gemessen (Haut fühlt sich nicht heiß an)
- Abdomen: Druckschmerz im rechten Oberbauch, leichte Abwehrspannung
- Allgemeinzustand: Reduziert, ängstlich
Bekannte Vorerkrankungen
- Zustand nach Herzinfarkt (Vorderwandinfarkt vor 3 Jahren)
- Arterielle Hypertonie
- Adipositas
- Rezidivierende Rückenschmerzen (LWS)
- Bekannter Gallengries (Cholezystolithiasis / Sludge)
Bekannte Medikamente
MedikamentDosierungIndikationASS 1001-0-0BlutverdünnungRamipril5 mg 1-0-0HypertonieMetoprolol47,5 mg 1-0-0KHK / HypertonieStatine20 mg 0-0-1Hypercholesterinämie(Aktuell eingenommen: Ibuprofen 600 mg)
Hintergrund und soziales Umfeld
Herr K. lebt mit seiner Ehefrau in einem Einfamilienhaus. Er arbeitet als Abteilungsleiter in einem Baumarkt. Seine Frau ist Sekretärin. Das Paar hat keine Kinder. Ernährungsgewohnheiten sind eher deftig. Er äußert den Wunsch, morgen wieder arbeiten zu gehen.
Medizinische Fallbeispiele
Beim Lernen mit Fallbeispielen (case-based learning "CBL") handelt es sich um ausgewählte Fallbeispiele aus der Praxis, um dein theoretisches Wissen aus der medizinischen Lehre zu vertiefen und den Transfer in die Praxis zu üben. Interprofessionelle Überlegungen fördern das Verständnis für komplexe Patientenversorgung und Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit und patientenzentriertes Handeln. Gleichzeitig kannst Du durch die eigenständige Erarbeitung von Lösungsansätzen dein Wissen überprüfen und vertiefen.
Was bekomme ich hier?
- Realitätsnahe Szenarien: Detaillierte Beschreibungen der Situation, Hauptbeschwerden, Hintergrund, Vorerkrankungen, Medikamente und soziales Umfeld.
- Online-Fallbesprechung: Einige Fallbeispiele werden im Livestream besprochen. Vor dem Livestream findest du nur die Aufgaben-beschreibung und den Arbeitsauftrag. Die Besprechung wird anschließend auf YouTube verfügbar sein.
Wie nutze ich das?
- Eigenständiges Durcharbeiten: Der größte Lernerfolg entsteht durch das eigenständige Bearbeiten der Fallbeispiele nach Arbeitsauftrag.
- Grundlage der Zusammenarbeit: Deine Lösungen und Ideen sind ideal für eine Austauschrunde in eurer Lerngruppe.
- Vergleich mit Lösungsvorschlag: Du kannst einen beispielhaften Lösungsvorschlag ansehen, den wir erstellt haben. Es gibt keine „richtigen“ Lösungen, da sie sich im realen Kontext ergeben.
Arbeitsschritte befolgen:
- Erfassung der Situation, Symptome, anamnestischer Informationen und des Umfeldes.
- Entwickle Ideen und mögliche Diagnosen. Die Bewertung der Alternativen führt zu einer Arbeitshypothese.
- Erarbeite deine berufsspezifischen Maßnahmen zur Situation.
- Entscheide, ob es sich um einen Notfall handelt, der sofortiges Eingreifen erfordert. Falls ja, welche Maßnahmen du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchführst.
Was muss ich investieren?
- Zeit: Plane bis zu 20 Minuten für die umfassenderen Fallstudien ein. Außerdem bist du herzlich zur Teilnahme an unseren Online-Besprechungen eingeladen.
- Engagement: Kosten entstehen dir keine – wir bieten dir alle Materialien für die persönliche Nutzung kostenfrei an. Für Schulungsmaterialien kontaktiere uns.
Deine Aufgabe:
Du bist nichtärztliche Fachkraftim Gesundheitswesen und begleitest einen Menschen in einer akuten oderkomplexen Situation. Erarbeite einen umfassenden und personalisiertenBehandlungsplan.
Dein Plan soll folgende Punkte beantworten:
1. Welche Symptome zeigt der Mensch?
(Was ist beobachtbar? Was wird berichtet?)
2. Was könnten Ursachen für die Situation sein?
(Welche Vorerkrankungen, Auslöser oder Zusammenhänge sind denkbar?)
3. Liegt eine akute Gefährdung vor, die sofortigesHandeln erfordert?
(Wenn ja, wie erkennst du sie?)
4. Was kannst du aus deiner Profession konkret beitragen?
(Welche Maßnahmen leitest du ein – aus deinem Fachgebiet heraus?)
5. Was braucht es zusätzlich an ärztlicher Begleitungoder Medikation?
(Welche weiterführenden Schritte sind sinnvoll oder notwendig?)
6. Wenn du den Notarzt verständigst: Was sind deineMaßnahmen bis zum Eintreffen?
(Wie sicherst du die Situation?)
Deine Herausforderung:
Sende deinen ausgearbeiteten Behandlungsplan als Antwort auf das Fallbeispielvor der Live Diskussion an:
📧 fragen@docmoritz.academy
➡️ Jede E-Mail wird individuell beantwortet.
➡️ Du bekommstgezieltes Feedback.
Bevor du dir den Lösungsansatz für dieses Fallbeispiel ansiehst, raten wir dir deine eigenen Ideen zuerst schriftlich festzuhalten,
Nimm dir jetzt 15-20 Minuten Zeit den Fall eigenständig zu lösen und mit deiner Lerngruppe zu diskutieren.

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Lösungsansatz
Schau Dir den Live-Stream an:
Du triffst auf einen Mann mitakut einsetzenden, hochintensiven Schmerzen im rechten Oberbauch, die seitmehreren Stunden anhalten, in den Rücken ausstrahlen und von ausgeprägterÜbelkeit sowie Kaltschweißigkeit begleitet werden. Entscheidend ist nicht eineinzelnes Symptom, sondern die Kombination aus Schmerzqualität, Lokalisation,vegetativer Begleitsymptomatik und dem objektiven Untersuchungsbefund. Dass derPatient keine Schonhaltung findet und die Schmerzen trotz Analgetikumpersistieren, spricht gegen eine banale Ursache.
Der reproduzierbare Druckschmerz im rechten Oberbauch mit beginnenderAbwehrspannung lenkt den Denkprozess primär in Richtung einer biliären Ursache.In Zusammenschau mit der bekannten Cholezystolithiasis ist eine Gallenkoliknaheliegend, die jedoch durch die Abwehrspannung den Verdacht auf eineentzündliche Komplikation wie eine beginnende Cholezystitis aufwirft. DieRückenausstrahlung passt in dieses Bild, auch wenn Patient:innen kolikartigeSchmerzen häufig unscharf beschreiben.
Parallel zwingt dich die Kaltschweißigkeit in Verbindung mit derkardiovaskulären Vorgeschichte dazu, ein akutes Koronarsyndrom mitzudenken.Oberbauch- und Rückenschmerzen können Ausdruck einer atypischenInfarktsymptomatik sein. Auch wenn im weiteren Verlauf keine klaren kardialenHinweise bestehen, darf diese Differenzialdiagnose initial nicht ignoriertwerden, da sie eine unmittelbare Gefährdung darstellt.
Andere Ursachen wie eine gastritische Genese oder eine muskuloskelettaleErklärung sind aufgrund der klaren Lokalisation, der Schmerzintensität und derAbwehrspannung weniger wahrscheinlich. Die zentrale Entscheidungsfrage lautetdaher nicht, welche Diagnose „am besten klingt“, sondern welche potenziellgefährliche Ursache sicher ausgeschlossen werden muss. Genau daraus ergibt sichdie Konsequenz: symptomatische Stabilisierung ja, aber keine abschließendeEntscheidung ohne weiterführende ärztliche Diagnostik.
Welche Symptome & Befunde zeigt der Mensch?
Akut einsetzende, sehr starkeSchmerzen im rechten Oberbauch (8/10), seit mehreren Stunden anhaltend
- Ausstrahlung der Schmerzen inden Rücken
- Ausgeprägte Übelkeit ohneErbrechen
- Deutliche Unruhe, keineentlastende Körperposition möglich
- Vegetative Begleitsymptome:Kaltschweißigkeit, Angst
Einordnung:
Die Kombination aus hoherSchmerzintensität, fehlender Schonhaltung und vegetativer Reaktion sprichtgegen eine harmlose Ursache und zwingt zur strukturiertenDifferentialdiagnostik.
Welche Befunde lassen sich finden?
Reproduzierbarer Druckschmerz im rechten Oberbauch
- Leichte Abwehrspannung (Hinweis auf lokale Reizung desBauchfells)
- Blutdruck erhöht, Puls normfrequent und regelmäßig
- Kein Fieber (später gemessen)
- Allgemeinzustand reduziert, Patient wirkt erschöpf
Einordnung:
Der Lokalbefund ist entscheidend. Abwehrspannung ist keinZufallsbefund, sondern ein Warnsignal für einen entzündlichen oderkomplizierten Prozess im Abdomen.
Was könnten Ursachen für die Situation sein? (Arbeitshypothese)
Die Ursachen werden nichtgleichwertig nebeneinander gestellt, sondern priorisiert:
1. Erkrankung der Gallenblase oder Gallenwege
(biliäre Ursache = Probleme imBereich von Gallenblase und Gallengängen)
2. Akutes Koronarsyndrom mitatypischer Symptomatik
3. Entzündliche Abdomenerkrankungmit lokaler Bauchfellreizung
4. Pankreatische Ursache
5. Gastrale Ursache (z. B.NSAID-assoziiert)
Prinzip:
Nicht das Häufigste zuerst,sondern das Gefährlichste sicher ausschließen.
Arbeitshypothese:
Am wahrscheinlichsten ist eine Schmerzursache aus demBereich der Gallenblase, konkret eine Gallenkolik, möglicherweise bereits mitentzündlicher Beteiligung.
Das erklärt:
- die Lokalisation im rechten Oberbauch
- die Schmerzintensität und Dauer
- die Übelkeit
- die Rückenausstrahlung
Die Abwehrspannung spricht gegen eine rein funktionelle Kolik und lenkt denFokus auf eine mögliche Cholezystitis oder einen komplizierten Verlauf.
Parallel muss aufgrund der Kaltschweißigkeit und der bekannten Herzerkrankungein atypischer Herzinfarkt aktiv ausgeschlossen werden. Oberbauch- undRückenschmerzen können kardial bedingt sein, auch ohne klassischeBrustschmerzen.
Weniger wahrscheinlich sind:
- rein gastrale Ursachen (falsche Lokalisation, Abwehrspannung untypisch)
- muskuloskelettaleRückenschmerzen (erklären weder Übelkeit noch Abwehrspannung
Liegt eine akute Gefährdung vor, die sofortiges Handeln erfordert?
Ja – bis zum sicheren Ausschluss.
Begründung:
- Abwehrspannung → möglichelokale Peritonitis
- Vegetative Symptome → möglichesystemische oder kardiale Ursache
- Anhaltender Schmerz trotzAnalgetikum
- Relevante Vorerkrankungen(kardial, metabolisch)
Konsequenz:
Die Situation ist nichtbeobachtend oder rein ambulant zu managen.
Was kann ich aus meiner Profession (meinem Beruf) beitragen?
Physiotherapie (PT)
Keinephysiotherapeutische Behandlung in der Akutphase
- Aufgabe derPT:
- Red Flags erkennen
- Befunde klar kommunizieren
- Eskalation einleiten (ärztliche Abklärung/ Notfallstruktur)
- Keine Mobilisation oder manuelleIntervention am Abdomen
Ergotherapie (ET)
Keine ursächliche Intervention im Akutstadium
- Unterstützend möglich:
- Stressreduktion
- StrukturierendeKommunikation
- Einbindung derAngehörigen
- Primäres Ziel: Sicherheit, nicht Funktionstraining
Aus Sicht der Pflege
EngmaschigeBeobachtung (Schmerz, Kreislauf, Vigilanz)
- Vorbereitungund Begleitung ärztlicher Maßnahmen
-Unterstützung bei Analgesie, Antiemese, Flüssigkeit
- Wahrnehmungvon Verschlechterung (zunehmende Abwehrspannung, Kreislaufveränderungen)
Heilpraktiker:in (HP allgemein /sektoraler HP)
KlareRed-Flag-Situation → keine eigenständige Behandlung
- Verantwortung liegt in der richtigen Einschätzung und Weiterleitung
- Verzögerungdurch alternative Maßnahmen wäre riskant
Notwendige oder zu erwartende ärztliche Begleitung
Erforderlich zur sicheren Entscheidung:
- Klinische Untersuchung mit Fokus Abdomen
- EKG zum Ausschluss eines akuten Koronarsyndroms
- Labordiagnostik (Entzündung, Leberwerte, ggf. kardialeMarker)
- Bildgebung (v. a. Sonographie des rechten Oberbauchs)
Ziel:
Gefährliche Ursachen ausschließen, entzündliche Prozesseerkennen und den weiteren Behandlungsweg sicher festlegen.
Noch Fragen?

