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Opa, was machst du da eigentlich?

Gezeichnete Nachtszene: Zwei erleuchtete Fenster in dunklen Hausfassaden an einer schmalen Gasse. Links sitzt ein Mann mit kurzem Haar von hinten an einem Schreibtisch mit Lampe und Mikrofon vor einem Bildschirm, auf dem eine grüne Herzlinie mit einem einzigen Schlag läuft. Rechts, deutlich kleiner, sitzt eine Frau mit Kopfhörern und langem Haar von hinten vor einem Laptop und hält einen Zettel.

Fünf Menschen fragen DocMoritz

14 Tage, jede Stunde ein Thema: Eine Enkelin, eine Auszubildende, ein Therapeut im Anerkennungsverfahren, ein alter Schulleiter und eine Journalistin fragen DocMoritz, was Heartbeat 1/h soll.

Von
Peter "Doc" Moritz
Oct 2026
Update
•
9
Min
Oct 2026
Update

Opa, was machst du da eigentlich?

14 Tage, jede Stunde ein Thema: Eine Enkelin, eine Auszubildende, ein Therapeut im Anerkennungsverfahren, ein alter Schulleiter und eine Journalistin fragen DocMoritz, was Heartbeat 1/h soll.

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Peter "Doc" Moritz

Fünf Menschen fragen DocMoritz

Eine Schülerin hat ihn an seinen eigenen Satz erinnert. Jetzt sendet DocMoritz 336 Stunden. Fünf Menschen fragen, warum.

„Sie haben uns beigebracht: Wenn man einen Traum hat, soll man versuchen, ihn zu verwirklichen. Wenn es schiefgeht, geht es schief. Aber wenn man es nicht angefangen hat, ist man irgendwann traurig, dass man es nicht gemacht hat.“

Das sagte eine Schülerin zu DocMoritz, als er seinen Plan, 48 Stunden am Stück zu unterrichten, schon fast aufgegeben hatte. 2023 hat er es dann gemacht. Drei Jahre später löst er das Versprechen ein zweites Mal ein, größer: Vom 5. bis 18. Oktober sendet er vierzehn Tage lang rund um die Uhr, jede Stunde ein Thema aus der Inneren Medizin, für alle, die sich auf ihr Staatsexamen in Physio- oder Ergotherapie vorbereiten.

Was soll das? Statt es selbst zu erklären, hat er sich fragen lassen, von fünf Menschen, repräsentiert durch KI-Agenten, die ganz Unterschiedliches wissen wollen.

Wie dieses Interview entstanden ist: Die fünf Fragenden gibt es so nicht. Wir haben sie gemeinsam mit einer KI als Personas entwickelt, und die KI hat DocMoritz in ihren Rollen befragt, eine Frage nach der anderen. Die Antworten sind seine, gesprochen und geschrieben am 3. Oktober 2026, für diesen Text nur transkribiert und sprachlich geglättet.

Mia, 14, steht für seine Enkelin

Opa, was machst du da eigentlich die ganze Zeit?

Ich bau grad ’ne tolle Sache für meine Studierenden, damit sie besser verstehen, wie der Körper funktioniert.

Vierzehn Tage, jede Stunde, auch nachts? Wer guckt denn um vier Uhr morgens Innere Medizin?

Das ist schon ein bisschen verrückt. Aber es geht mir auch darum zu zeigen, dass man das Verrückte machen kann. Und dass Lernen etwas mit Wissen zu tun hat: Das Wissen ist kostenfrei da, jeder kann es bekommen. Anstrengen muss man sich dann aber schon, um es sich auch tatsächlich anzuschauen.

Und was ist, wenn keiner zuguckt?

Dann wäre ich schon ein bisschen enttäuscht. Aber ich mache es, weil ich das Gefühl habe, ich muss es einfach machen. Ich glaube, ich würde unglücklich, wenn ich es nicht mache. Und jetzt, kurz vor der zweiten Challenge, denke ich oft an die Schülerin, die mich 2023 an meinen eigenen Satz erinnert hat.

Was sollen die Leute danach können?

Sie sollen selber wissen, was sie verstanden haben, und gespürt haben, wie sie von reinem Wissen zum Verstehen kommen. Damit sie es für die Menschen anwenden können.

Lena, 22, steht für Physio im 3ten Jahr

Ich hab echt keine Zeit. Warum soll ich mir das antun statt mit meinen Karteikarten zu lernen?

Deine Karteikarten sind super, und aus diesen vierzehn Tagen kannst du viele neue schreiben. Entscheidend ist aber, dass ich dir durch die Fragen und meine Erklärungen ein Verstehen dieses Wissens bringe. Ich hoffe, dass du deine Karteikarten dann schneller abhakst und bald gar nicht mehr brauchst, weil du das Wissen jederzeit selbst herstellen kannst.

„Verstehen statt auswendig lernen“ sagen alle. Was heißt das bei dir, konkret?

Nimm das Herz. Es hat vier Kernfunktionen: den Herzmuskel für die Kraft, die Herzklappen für die Richtung, das Reizleitungssystem für den Rhythmus und die Herzkranzgefäße für die eigene Ernährung. Wenn du die verstanden hast, weißt du genau, was sie bedeuten, wie sie funktionieren müssen und was passiert, wenn sie nicht mehr in Ordnung sind.

In der Zwischenprüfung war bei mir trotz Lernen alles weg. Was machst du dagegen?

Das hat mich lange beschäftigt. Deshalb gebe ich dir zwölfmal am Tag die Chance, eine Examensfrage zu beantworten, so wie ich sie stellen würde. Du nimmst deine Antwort mündlich auf, schickst sie mir, und ich kommentiere sie. Mit meinem Kommentar musst du dann leben, und mit der Zeit lernst du, wie du mit so einer Situation umgehst. Das sieht niemand außer dir und mir. Und du musst nicht genau dann antworten, wenn ich die Frage stelle: Sie bleibt online, du bearbeitest sie, wenn du Zeit hast.

Was soll ich am 18. Oktober können, was ich heute nicht kann?

Die Frage musst du dir ein bisschen selbst stellen. Du wirst nicht die ganze Zeit dabei sein, und es wird Tage geben, an denen du gar nicht reinschaust. Wie viel du durcharbeitest, hängt von dir ab. Die Sendungen bleiben danach auf YouTube, du kannst auch später daraus lernen. Nur den Schritt des Lernens und Verstehens kann dir keiner abnehmen. Ich lade dich ein, ihn als Challenge parallel mit mir zu gehen.

Karim, 33, steht für Physio aus Syrien in der Anerkennung

Ist das auch für mich? Mein Problem ist nicht die Medizin, sondern die deutschen Wörter dafür.

Du bist in einer schwierigen Situation, und gerade weil alles so konzentriert ist, ein Thema nach dem anderen, wird es für dich schwer, alles mitzubekommen. Deine Chance ist, dass alles auf YouTube läuft. Du kannst langsamer stellen, anhalten, wo du sprachlich nicht mitkommst, und dir die Übersetzungen herausziehen. Ich glaube, so wirst du mit der Sprache und den Inhalten besser vertraut als in langen Stunden im Klassenzimmer.

Ich habe sechs Jahre im Krankenhaus gearbeitet. Was kann ich bei Ihnen lernen, was ich nicht schon weiß?

Vielleicht nichts, was du nicht schon weißt. Aber es kommt darauf an, wie du dich als Physiotherapeut verstehst. Mir geht es nicht um Handgriffe. Ich will dich dahin bringen, die gesundheitliche Situation der Menschen, die zu dir kommen, richtig einzuschätzen: ob, wo und wie du sie behandeln kannst, und in welchen Momenten du andere Berufsgruppen oder Ärzte brauchst. Das kommt in der Ausbildung oft zu kurz.

Sie sagen „kostenlos“. Wo ist der Haken?

Ich verstehe das Misstrauen. Dieses Angebot ist absolut kostenfrei. Medizinisches Wissen ist für jeden da, ich verstecke es nicht hinter Bezahlschranken und Sprachbarrieren. Im Moment verdient nur YouTube an euch. Ich hoffe, dass ich irgendwann an diesen Einnahmen beteiligt werde; das wäre ein schöner Zuschuss zur Rente, von dem ich bestimmt die eine oder andere Reise machen würde. Auf meiner Internetseite gibt es andere Angebote, für die ich Geld nehme. Dieses hier ist mit allem drumherum kostenfrei.

Und wenn ich es trotzdem nicht schaffe in Deutschland in meinem Beruf anerkannt zu werden?

Die Sprache wird eine große Hürde sein, und das, was die Anerkennung verlangt, kann ich dir online nicht ersetzen. Der zweite Punkt, an dem Menschen scheitern – und über die Jahrzehnte waren es wenige –, ist die eigene Reaktion auf Prüfungen. Geprüft wird viel Sachwissen, oft unter Zeitdruck und Stress, und das deckt sich nicht unbedingt mit dem, was jemand für den Beruf mitbringt. So scheitern eigentlich kompetente Menschen. Einen Teil davon können wir mit den mündlichen Antworten trainieren. Für ein Zwiegespräch reicht meine Zeit nicht, aber ich kann dir zurückmelden, welchen Eindruck deine Antworten machen.

Herr Albers, 86, steht für Schulleiter a. D. im Pflegeheim

Lehre war für mich immer Beziehung. Was bleibt davon in einem Livestream?

Ich würde mir das nicht zutrauen, wenn ich nicht seit Jahrzehnten in Präsenz unterrichten würde. In der Corona-Zeit war meine besondere Herausforderung, auch online mit den Menschen vor mir am Bildschirm in Kontakt zu kommen. Das hat weitgehend geklappt; noch heute freue ich mich über ein Buch, mit dem sich eine Klasse für “außergewöhnliches Engagement bei der Online-Lehre” bei mir bedankt hat. Aber dieser Online-Unterricht ersetzt die Präsenz nicht. Er deckt nur den schmalen Teil des Fachwissens ab. Die Kompetenz erwerben die Lernenden im Präsenzunterricht.

Die junge Frau, die zweimal die Woche mit mir übt: Was hätte die davon? Und woran merke ich, ob jemand verstanden hat?

Ich hoffe nicht, dass sie vierzehn Tage durchgehend zuschaut, sonst käme sie nicht mehr zu Ihnen. Aber sie könnte ein tieferes Verständnis für die Funktionen im Körper bekommen. Ob jemand verstanden hat, merken Sie an seiner Sicherheit, und daran, wie weit er Sie einbezieht: ob er das, was Ihnen wichtig ist und was an Ihrer Situation besonders ist, in seine Behandlung aufnimmt. Dafür braucht es Sachwissen. Aber es braucht die Fähigkeit, darüber hinaus kompetent damit umzugehen.

Für wen machen Sie das eigentlich, für die Schüler oder für sich?

Eigentlich für mich selbst. Die letzte verrückte Challenge ist drei Jahre her, und wenn ich mich nicht herausfordere, fehlt mir der Kick, das Besondere zu machen. Diese Veränderung an mir ist am Ende das, was meinen Lernenden eine bessere Lehre bringt. Und ich hoffe, mit den Materialien aus dieser Zeit ein lange gegebenes Versprechen einzulösen: meine Studierenden mit guten Materialien zu versorgen.

Was soll in zehn Jahren bleiben?

Eine Gruppe von richtig guten, kompetenten, selbstbewussten Physiotherapeutinnen, Ergotherapeuten und Menschen im Gesundheitswesen, denen ich ein Stück ihres Weges geholfen habe. Ich bin 69, gemessen an Ihnen jung. Aber in zehn Jahren bin ich vielleicht nicht mehr berufstätig und dann bleibt das was ich weitergeben konnte.

Frau Brandt, 45, steht für Bildungsredaktion

Ist das Bildung oder eine Show?

Bildung muss Spaß machen. Bildung ist eine Show. Ich sage meinen Studierenden oft: Entscheidend ist nicht, was ich hier vortanze, sondern was in euren Köpfen passiert und was ihr daraus macht. Wir Dozierenden sind von einer Show gar nicht so weit weg. Wir gestehen es uns nur nicht ein und verstecken uns hinter dem Sachwissen.

Wer prüft, ob stimmt, was Sie erklären? Und wie viel macht eine Maschine?

Die Inhalte sind alle von mir, von mir geprüft, gesammelt über Jahrzehnte. Vieles davon stammt aus meinen YouTube-Videos der letzten Jahre, und daran sieht man auch: Die Grundlagen der Herzfunktion haben sich nicht geändert.

Ohne KI wäre ich aber überhaupt nicht in der Lage, so etwas umzusetzen; ich hätte den Gedanken gar nicht weiterverfolgt. Die KI macht das allerdings nicht selbst. Ich habe sie über Wochen trainiert, einen medizinischen Faktencheck zu machen: Hat eine Aussage Evidenz, gibt es Hinweise, dass sie falsch ist? Sie sucht nur in Quellen, die ich ihr vorgebe. Jede neue Quelle muss sie mir vorlegen, und ich entscheide, ob sie zählt. Und ja es gibt eine schwarze Liste von Seiten, die gar nicht erst ausgewertet werden. Auch den Sendeserver, der inzwischen weitgehend selbstständig läuft, hat die KI nach meinen Anweisungen und unter meiner ständigen Kontrolle gebaut. Ich will zeigen: Mit klarer Steuerung und eigener Kompetenz können wir Aufgaben trennen, in das, was die Maschine kann, und das, was der Mensch können muss.

Nachts um drei läuft das auch. Wofür?

Das ist Teil der Challenge: vierzehn Tage, 24 Stunden. Dafür musste ich die Inhalte aus meiner Lehre vorher zusammensuchen, die Fragen formulieren und die Maschine formatieren lassen, damit ein Sendeplan über den ganzen Tag entsteht. Das Wofür ist genau diese Idee: zu zeigen, dass der Mensch die Maschine dazu bringt, zu machen, was er will, und Sachwissen so zu bündeln, dass es bei den richtigen Menschen ankommt. Und ich habe mir ein paar Überraschungen für die Nacht ausgedacht. Mal sehen, ob nur ich Spaß daran habe.

Die Schulen bilden aus, der Staat prüft. Warum mischen Sie sich ein?

Ich bin seit vielen Jahren ärztlicher Leiter einer Physiotherapieschule. Ich mische mich also nicht ein, ich bin ein lebendiger Teil davon. Die Schulen geben unter schwierigen politischen und finanziellen Vorgaben ihr Bestes. Die Inhalte nehmen zu, der Unterricht wird immer dichter. Wenn wir Sachwissen und Kompetenz trennen, können wir das Sachwissen viel effizienter vermitteln, und es tritt hinter die Kompetenz zurück: Wie wende ich es an, wie setze ich es um? Dazu gehört auch, die schön klingenden Antworten einer KI bewerten zu können. Das müssen Menschen im Beruf lernen, damit sie den Systemen nicht ausgeliefert sind, sondern mit ihnen arbeiten.

Beim Staat habe ich nicht den Eindruck, dass er sich ernsthaft darum kümmert, welche Kompetenzen diese Menschen brauchen und haben. Die selbstständige Berufsausübung ist bis heute nicht freigegeben, sie geht nur über den Umweg des sektoralen Heilpraktikers. Es gibt keine länderübergreifende Beschreibung dessen, was gebraucht wird, und keine Kompetenzraster. Glücklicherweise sind die Berufsfachschulen und Hochschulen viel weiter und entwickeln solche Raster selbst und kümmern sich um die Umsetzung.

Was ist für Sie ein Erfolg? Und wenn nach drei Tagen kaum jemand zuschaut?

Der erste Erfolg ist, wenn die ersten 24 Stunden funktioniert haben. Dann, wenn die ganzen vierzehn Tage mit nur wenigen Fehlern durchlaufen. Und wenn das entstandene Lehrmaterial auf Dauer weiterverwendbar ist. Viele Zuschauer fände ich schön, weil mich Fragen und Beteiligung antreiben. Ich unterrichte besser, wenn ich ein Gegenüber habe.

Und wer sagt, das ist ein Ego-Projekt?

Die meisten Projekte sind Ego-Projekte. Ohne diesen gehörigen Schuss innerer Überzeugung würde ich ein schlechtes Ergebnis erzielen. Ich stehe dazu: Es ist mein verrücktes Projekt, es gibt mir den Kick, etwas zu tun, was ich sonst nicht täte, und ein Gefühl von Erfüllung und Wirksamkeit. Nebenbei: Jede Dozentin und jeder Dozent hat einen gehörigen Schuss Ego. Der Ausbildung täte es manchmal gut, wenn wir uns zurücknehmen und das Gegenüber in den Mittelpunkt stellen.

Heartbeat 1/h auf einen Blick

  • Wann: 5. bis 18. Oktober 2026, rund um die Uhr
  • Was: jede Stunde ein Thema aus der Speziellen Krankheitslehre Innere Medizin, mit fünf Fragen, Lehrteil und Examensessentials
  • Abends: um 20:15 die Visite mit DocMoritz
  • Kosten: keine. Zuschauen ohne Anmeldung; mit Anmeldung bekommst du deinen persönlichen Pulscheck
  • Wo: lernen.docmoritz.academy/kurs/heartbeat-1h

Bild: KI-generierte Illustration (docmoritz)

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Peter "Doc" Moritz in der medizinischen Lehrveranstaltung
Veröffentlicht
Oct 2026
Letztes Änderungsdatum
4.10.2026
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